Prof. Dr. Peter Assmann,
Dir. des Oberöstereichischen Landesmuseums Linz, zur Ausstellungseröffnung
am 21.11.1999: "Heads"
…Blanka Wilchforts
Skulpturen reagieren hier, indem sie sehr genau die Balance zwischen einer markant
bestimmten Verbindung mit archaischen Erfahrungswelten sowie den aktuell fragenden,
intellektuell gleichsam lauernden Bestimmungsmechanismen des Menschen aufbauen.
Diese sehr gut ausgearbeitete Balance ermöglicht ein höchst spannendes, breit
gefächertes Zugehen auf diese ihre Skulpturen, die sich als Körper absolut kraftvoll
gegen jede Infragestellung des Körperlichen zur Wehr setzen können. Diese umfassende
Balance zwischen bestimmender Formgestaltung und Verbindung zu prozessualen
Wachstumskräften markiert ein starkes und zugleich sehr sensibles ,,Position
Beziehen" zeitgenössischer Skulptur. (pdf)
Franz Joseph van der
Grinten, Direktor des Museums Schloss Moyland, Text für Katalog zur Ausstellung
" Heads" 1999
…Sind Geräte ins Funktionale übersetzte Körperteile, so scheint es, als ob im
figuralen Werk von Blanka Wilchfort dieser Schritt rückgängig gemacht würde
aus dienstbarer Abstraktion in ein zweckfrei naturhaftes Eigenleben. Was dazu
beiträgt, ist die hohe plastische Qualität, die Stimmigkeit auch in der Eigenart,
die Spannung des Volumens wie die Sensibilität der Oberflächenstruktur und das
Gespür fürs Staturarische, das den Dingen, unabhängig von den eher verhaltenen
äußeren Maßen, Größe verleiht. …Die Bildwerke stehen oder liegen. Manchmal scheint
ihnen der Hals den natürlichen Sockel zu geben, manchmal ersteht ihnen eine
Stütze, manchmal entwachsen sie einem kubischen Block. Wenn sie aber liegen,
dann nicht maskenhaft flach, sondern aufruhend auf der ungewissen Balance des
Hinterhaupts. Eine auch in Passivität kraftvolle Präsenz, Zeugnisse der Kraft,
die der Künstlerin in Sensibilität und Nachdenklichkeit eignet. Was da ist,
gibt Zeugnis und Beispiel. (pdf)
Marion Ölmann Kunsthistorikerin,
Einführung zur Ausstellung "Begegnung" 2004
…die Skulpturen von
Blanka Wilchfort …, deren vorherrschende Grundformen der menschliche Kopf oder
Körper, mal mehr, mal weniger direkt zu erkennen ist. Verschnüren und öffnen,
manchmal regelrecht aufbrechen, sind dabei wiederkehrende Motive. Die Suche
nach einer Balance zwischen Schutz und Mut. Manche Skulpturen zeigen Körper,
die sich einrollen, sich selbst genügen, Heimat in sich selbst finden. Aber
auch das Herumtasten wird Bild - aus sich selbst herauszureichen, die Wurzeln
auszustrecken und nach einem Halt suchen in der umgebenden Welt. Und dann, wie
eine mögliche Erlösung, die Figur der "Beschützerin", eine der letzten Arbeiten,
die den Menschen zeigen, eingeschrieben in einen anderen Menschen. Verwurzelung
nicht in sich selbst, nicht in der Erde, sondern im anderen. (pdf)